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Unerwünschte Werbemails - Die wahren Gründe für Spam

10.03.2006

Angesichts der täglichen Werbeflut stöhnen viele Internetnutzer beim Blick in das virtuelle Postfach: "Warum bekomme ich eigentlich so viele Spam-Mails?" Uns wurde diese Frage auch schon öfters gestellt. Die Antworten, die wir fanden, sind so erstaunlich logisch, dass es längst Binsenweisheiten sein müssten. Aber anscheinend haben es diese Weisheiten noch nicht in das Bewusstsein aller Internetnutzer geschafft, obwohl zu diesem Thema bereits vor über einem Jahr eine Studie der BSA (Business Software Alliance) erschien, die jedoch relativ wenig Beachtung fand. Doch dazu später mehr.

Zunächst einmal sollte man vielleicht anmerken, dass die Frage - wenn sie so wie oben gestellt wird - mit einem lapidaren "Weil Sie eine E-Mail-Adresse haben!" beantwortet werden könnte. Denn fast niemand, der eine E-Mail-Adresse besitzt und diese aktiv nutzt, kann heute noch behaupten, dass er keine Spam-Mails erhält. Spam-Filter und Anti-Spam-Software leisten hier zwar gute Arbeit, die Ursachen können sie jedoch nicht bekämpfen. Ich schlage deshalb vor, die Frage vom Anfang des Artikels umzuformulieren und stattdessen zu fragen: "Warum werden eigentlich so viele Spam-Mails verschickt?" Dabei sollte man unterscheiden, ob es sich um reine Werbemails oder um bösartige, also z.B. mit Viren, Würmern o.ä. "angereicherte" Mails handelt. Die Übergange sind zwar fließend, doch wir wollen uns zunächst auf die Mails beschränken, die ausschließlich Werbung enthalten.


Geringe Kosten, großer Schaden

Werbung hat ja einen Zweck: Sie soll verkaufen. Das ist bei Werbemails nicht anders. Das Verschicken von E-Mails verursacht jedoch im Gegensatz zu herkömmlicher Werbung fast keine Kosten. Somit ist eine ausreichende Effizienz selbst bei einer sehr geringen Zahl von Rückläufern gewährleistet. [Anm.: Als Rückläufer werden in der Werbebranche die auf eine Direktwerbemaßnahme zurückzuführenden Kaufanfragen bezeichnet.] Direktwerbung nervt die meisten Verbraucher. Und sie ist wohl die penetranteste Form der Werbung, denn sie sorgt für überquellende Briefkästen, unerwünschte Telefonanrufe, blockierte Faxgeräte und eben für E-Mail-Konten voller Spam. Laut BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) haben Spam-Mails inzwischen den größten Anteil am weltweiten E-Mail-Verkehr übernommen und schädigen damit die Weltwirtschaft in hohem Maße. Um so erstaunlicher ist es, dass durch Werbemails erreichte Käufe in gar nicht so geringer Anzahl vorkommen. Das nämlich wurde durch die von der BSA beauftragte Studie Verbraucher-Einstellung zu Spam in Deutschland festgestellt.


Studie belegt kommerziellen Erfolg von Spam-Mails

Es schien bei Spam-Mails das gleiche Phänomen wie bei der Bild-Zeitung zu sein: Man fragt sich, wie sie eine so hohe Auflage haben kann, wenn doch fast jeder Gefragte behauptet sie nicht zu lesen. Doch die von Forrester Data durchgeführte Studie hat ergeben, dass Spam-Mails von bis zu 32 Prozent der Empfänger gelesen werden. Von 29 Prozent aller Empfänger wurde daraufhin Software bei dem werbenden Unternehmen bestellt, angebotene Geldanlagen haben 12 Prozent schon einmal in Anspruch genommen. Diese Zahlen zeigen wie lukrativ das Versenden von Spam-Mails ist. Damit wäre die Frage nach den Gründen für die Werbemails wohl beantwortet: "Weil Spam-Mails kommerziell so erfolgreich sind!" Die große Zahl per Spam eingeleiteter Geschäfte ist aber um so erschreckender, da es sich hierbei oft um unseriöse Anbieter handelt, die sich mit den erhaltenen Anlagegelder aus dem Staub machen oder Raubkopien anstatt Originalsoftware anbieten. Die Leidtragenden sind die Verbraucher, die ihr Geld in solchen Fällen meist nicht wiedersehen.


Spammer werden immer dreister

Mit hoher krimineller Energie denken sich Spammer immer neue Wege aus um an das Geld der Verbraucher zu kommen. Beim sogenannten Phishing werden Spam-Mails dazu verwendet Homebanking-Kunden oder ebay-Nutzer dazu zu bringen ihre Kennwörter auf gefälschten Internetseiten einzugeben. Diese Plagiate sehen den Originalseiten täuschend ähnlich, tun aber nichts anderes als die Login-Daten (z.B. PIN und TAN) des arglosen Benutzers an den Absender der Spam-Mail zu schicken. Dieser meldet sich daraufhin mit den geklauten Benutzerdaten auf der richtigen Seite an, um sich dort auf Kosten des Benutzers zu bereichern. Auch diese Spam-Mails sind natürlich kommerziell sehr erfolgreich! Spam-Mails werden jedoch auch dazu verwendet Viren, Würmer, Trojanische Pferde und ähnliche Schädlinge zu verbreiten. Auch hierbei gibt es Varianten, die zumindest indirekt zu kommerziellem Erfolg führen. Beispielsweise werden auf dem Computer des Benutzers Kennwörter ausspioniert oder Umleitungen auf gefälschte Internetseiten eingerichtet (sog. Pharming) um auch so wieder neue Betrugsfälle zu initiieren. Die Absender dieser Spam-Mails verschleiern normalerweise ihre Identität weil sie strafrechtliche Verfolgung fürchten. Neuerdings arbeiten diese kriminellen Spammer anscheinend auch mit werbenden Spammern zusammen, zum Beispiel durch Verkauf ihrer gesammelten E-Mail-Adressen.


Der Anti-Spam-Paragraph

Rechtlich gesehen gibt es keine Zweifel daran, dass ungewollte Spam-Mails unzulässig sind. Laut §7 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) stellt die unaufgeforderte Werbung per Telefonanruf, per Faxgerät oder per elektronischer Post eine unzumutbare Belästigung dar. Diese Art der Werbung ist nur dann ausnahmsweise zulässig, wenn der Empfänger ausdrücklich sein Einverständnis erklärt hat diese erhalten zu wollen. Bei Werbung gegenüber Unternehmern genügt es, wenn aufgrund konkreter tatsächlicher Umstände ein sachliches Interesse des Empfängers vermutet werden kann, was allerdings nur in ganz wenigen Ausnahmefällen zutrifft. In allen anderen Fällen kann per Abmahnung ein Unterlassungsanspruch durchgesetzt werden. Die strafrechtliche Verfolgung krimineller Spammer scheitert jedoch leider noch zu oft an fehlenden technischen Möglichkeiten zur Identifizierung des Absenders. Gewerbetreibende können bei der WBZ (Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e.V.) an die Beschwerdestelle zur Spam-Bekämpfung ungewollt erhaltene Spam-Mails melden. Die WBZ strebt allerdings nur wettbewerbsrechtliche Abmahnverfahren an. Diese können zwar auch gegen betrügerische Spammer durchgeführt werden, haben aber aufgrund der schwierigen Absenderermittlung meist relativ wenig Aussicht auf Erfolg. Für Verbraucher gibt es mehrere Beschwerdestellen (siehe: Weiterführende Links). Dort lassen sich sämtliche Arten von Spam melden, aus denen dann eventuell auch in eine strafrechtliche Verfolgung wegen Betrugs folgen kann. Dadurch ist nicht immer gleich der Gang zum Rechtsanwalt notwendig damit Spammer ihre gerechte Strafe erhalten.


Fazit

Es wäre wünschenswert, dass weniger Verbraucher Spam-Mails öffnen und lesen und insbesondere nicht bei den Spammern einkaufen. Das würde nicht nur die Zahl der Geschädigten reduzieren, auch alle anderen könnten sich freuen. Denn je weniger Profit mit Spam-Mails gemacht wird, desto weniger lohnenswert ist es diese zu verschicken. Leiten Sie Spam-Mails am besten an eine der genannten Beschwerdestellen weiter. Diese sorgen dafür, dass rechtliche Schritte gegen die Spammer eingeleitet und außerdem deren Gewinne geschmälert werden. Vielleicht können wir uns dann eines Tages doch noch auf eine (fast) spamfreie E-Mail-Korrespondenz freuen. Bis dahin bleibt wohl nur sich an gewisse Verhaltensregeln zu halten um nicht noch mehr Spam zu bekommen (siehe: Weiterführende Links). Sie sollten auch geeignete Software zum Schutz des Computers einsetzen. Empfehlenswert sind E-Mail-Konten mit eingebautem Spam-Filter, eine Firewall, eine Anti-Spam- und Anti-Virus-Software und eine Backup-Software um Ihre Daten regelmäßig zu sichern und Sie so auch vor Datenverlust durch zerstörerische Programme zu schützen. Spam-Schutz völlig falsch verstanden hat offensichtlich AOL USA. Das Unternehmen will gegen Bezahlung in ihren Spam-Filtern Schleusen für den Versand von Massen-Mails öffnen. Dies scheint keine Maßnahme zu Reduzierung von Spam sondern eher zum Mitverdienen an Spam zu sein und stößt in der Branche auch auf herbe Kritik.


Unser Service für Sie

Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Nehmen sie einfach mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne über geeignete Software-Lösungen. Auf Wunsch installieren wir diese bei Ihnen oder übernehmen auch die komplette Wartung Ihrer Computersysteme. So können wir optimalen Schutz gewährleisten, indem wir dafür sorgen, dass ihre sicherheitsrelevante Software immer auf dem neuesten Stand bleibt und sind bei einem Notfall sofort zur Stelle.


Weiterführende Links


Informationen über Spam:


Spam bei Wikipedia Artikel über Herkunft, Verhinderung, Bekämpfung und Rechtslage von Spam
Das Forum von Antispam e.V. Deutschsprachiges Forum des gemeinnützigen Vereins, der sich der Bekämpfung von Spam verschrieben hat
The Spamhaus Project Internationale Initiative zur Bekämpfung von Spam
Spam - Unerwünschte Werbe-Mails Informationen zu Spam-Mails von der Technischen Universität Berlin
Mehr Anti-Spam-Klagen zu erwarten Artikel über die Fahndungserfolge gegen Spammer bei heise online vom 09.09.2005
Schutz vor Spam beim BVDW Rechtsinformationen zu Werbemails vom Bundesverband Digitale Wirtschaft
Deutschland sicher im Netz Von vielen Unternehmen unterstützte Initiative unter der Schirmherrschafft des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Spam-Vermeidung:


Sicherheits-Check für Ihre Online-Sicherheit Schritt für Schritt Sicherheits-Check für Ihren PC von der Initiative Deutschland sicher im Netz
Checkliste: Spam Schritt für Schritt Spezial-Check zum Thema Spam von der Initiative Deutschland sicher im Netz
Antispam-Strategien vom BSI Antispam-Studie des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik
Spam-Mails, Faxwerbung, Telefonmarketing Informationen und Hinweise zur Vermeidung von Spam von der Shamrock Software GmbH
SPAM - Wie Sie sich schützen können Tipps zur Vermeidung von Spam vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
HideMail Tipps zur Vermeidung von Spam und Möglichkeit zum Schützen von E-Mail-Adressen auf der eigenen Homepage

Beschwerdestellen:


Spam-Bekämpfung Informationen zur Spam-Bekämpfung von der WBZ (Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e.V.) inkl. Beschwerdestelle
Spam-Beschwerdestelle Pressemitteilung über die Einführung der Spam-Beschwerdestelle bei der Verbraucherzentrale Bundesverband
Internet-Beschwerdestelle Hier kann man sämtliche illegalen Inhalte, denen man im Internet begegnet, melden
Bundesnetzagentur Verbraucherinformationen zu Spam, Möglichkeit zum Melden von Spam